Archiv für den Monat: September 2014

51. und 52. Etappe St. Vith – Spa – Maastricht

Wir haben das 12. Land unserer Tour erreicht: Niederlande. 55 km Laufstrecke: Helmut, Henry und Björn haben wie gestern alles absolviert. Der Rest war nur Beiläufer. Was für ein Spektakel: In Eijsden (Grenzort, 10 km vor der Stadt der Verträge) empfangen und 15 LäuferInnen vom Club Atletiek Maastricht. Und Emad ist wieder da. Jubel, Umarmungen. Und Nikoleta. Jubel, Umarmungen. Und Marie (samt vier Freundinnen plus Hund). Und Jürgen als Begleiter. Noch mehr Jubel und Umarmungen.

Dann geht es im schönsten Altweiberwetter bis 2 Kilometer vor Maastricht direkt an die Maas. Ein Riesenboot, einem Drachenboot ähnlich, nimmt Emad, die Fackel und unsere Musikbox an Bord. Dann schießen die acht mächtigen Ruderblätter ins Wasser, das Boot braust majestätisch Richtung Ciry, begleitet vom Fernsehteam in einem Extramotorboot (die Maastrichter haben wirklich alles organisiert). Unsere Hymne ertönt kraftvoll über den Fluss. . Es ist fast wie bei Fitzcarraldo. Nur Caruso fehlt. Und Klaus Kinski.

Bürgermeister Onno Hoes empfängt uns im prachtvollen Rathaus. Er sagt: „Europa braucht Leute wie Sie. Sie laufen uns allen ein Stück voraus.“ Ein großes Kompliment. Danach gibts im Kellergewölbe gemeinsam mit den Maastrichter Ortsläufern ein üppiges Bufett. Abends ein Novum: Erstmals schlafen wir in Zelten. Haben die Pfadfinder für uns gebaut. Das ganze im Wassersportclub mit Clubhaus und Fluss-Terrasse. Wunderbar. „Frieden macht ganz schön viel Arbeit“ (Giana Haas), aber manchmal auch ganz ganz großen Spaß (wenn nur die stundenlangen Tagesplanungen nicht wären, die langen Debatten, auch das Blogschreiben). Naja, letzteres macht schon wieder Spaß nach so einem Tag.

Tags zuvor (51. Etappe) waren wir von St. Vith nach Spa gelaufen. Neuer Rekord: 68 Kinder laufen am Morgen mit, manche einen Kilometer, manche zwei, andere wollen mehr, aber die Lehrer sind so furchtbar realistisch und wissen, dass sie die gleiche Strecke wieder zurückmüssen. 50 Kilometer und alles (bis auf Kleinigkeiten) auf drei verschiedenen Radwegen. Vennbahn und zweimal Ravel-Weg.

43. Etappe Saverne – Dieuze

Mittwoch 10. September.

Es ist immer noch Sommer! Lecker warm und kein Regentropfen weit und breit.4ergruppe

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Morgens backwarme Croissants und knuspriges Baguette zum Frühstück – nous sommes en France. Urlaubsgefühle.francejassin-dinopeter-frlauftotale

In Dieuze wartet man derweil auf die Läufer.

ankunft-dieuzeDino, inzwischen wieder voll fit, sagt morgens trocken auf die Frage, ob er wieder die erste und die letzte Etappe läuft: „ Yes. You know me.“ Auf dem letzten Streckenabschnitt kommt er dann doch gut ins Schwitzen.dino-dieuzeDer kleine Ort Dieuze mit gut 3500 Einwohnern empfängt uns extrem herzlich und überschüttet uns mit guten Gaben. Es gibt Kir und Kuchen. Ein riesiges Transparent haben sie für flame for peace  gemacht, deutsch und bosnisch beschriftet und Heinz bekommt ein Plakat über Dieuze. Als er dann noch eine Parallele zu Tuzla zieht – denn Tuz bedeutet Salz und bis Anfang der 1970er Jahre wurde in Dieuze Salz gewonnen – holt Bernard Francois, 1. Beigeordneter des Bürgermeisters, eine Kiste mit Gläschen voller Fleur de Sel und gibt jedem eines.

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Robin, Nick, Jassin und Bürgermeister Fernand Lormant

Robin, Nick, Jassin und Bürgermeister Fernand Lormant

Konni stimmt „we shall overcome“ an, etwas reichlich tief. Die Folge: ein recht schräger Chor, aber inbrünstig, auch Bürgermeister Fernand Lormant singt mit

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Bernard Francois

Bernard Francois

Bernard Francois erzählt vom Salz, dessen Gewinnung längst nicht mehr rentabel ist. Das Gelände, auf dem der Salzhandel blühte, wird zur Zeit in ein Kulturzentrum umgewandelt, durch das uns Bernard voller Begeisterung führt.kino

 

Gemalt und gestrickt wird auch in Dieuze

cafeduboncoin 3ptitspoints strickpollerDas Abendessen nehmen wir in einer quirligen Menge junger Leute ein, hauptsächlich Mädels. Sie gehen auf eine Privatschule. Friseurinnen, Kosmetikerinnen und Restaurantfachleute wollen sie werden. Die Mädels wohnen im angeschlossenen Internat, ab 20:00 heißt es ab auf die Zimmer, ab 22:00 Licht aus. Klar, das jetzt kurz vorher noch der Bär tobt. Die wenigen Jungs wohnen bei Familien, von denen viele freie Zimmer haben, wenn ihre Kids aus dem Haus sind.mensa

Abends haben wir in gewohnt gemütlicher Sporthallenatmosphäre noch eine Weile Ausblicke auf Taekwondo-Training – fast wie Sportschau.

Abendlager in gewohnter Sporthallenatmosphäretaekwando

42. Etappe Straßburg – Saverne

Dienstag 9. September.

Erstes Ziel heute Morgen – das EU-Parlament. Direkt nebenan findet die Foire européenne 2014 statt. Kühe in Zelten, Kappes im Regal. Die Folgen für uns: mit dem Auto ist kein rankommen an das EU-Gelände, alles ist abgesperrt. Nach diversen vergeblichen Runden durchs Viertel geben wir auf, stellen das Auto irgendwo ab und nehmen einen längeren Fußmarsch in Angriff.

Schließlich landen wir doch noch am Haupteingang, das Gelände ist weiträumig, das Filmteam ist am einen, die Läufer sind am anderen Ende. Als sie endlich kommen, laufen und radeln sie direktemang ins Gebäude rein, was erstmal einige Aufregung bei den Sicherheitskräften hervorruft.

vor-eueinlauf-eu einlauf-eu2Nach einigen Diskussionen klärt sich doch noch alles auf. Wir wurden erwartet, zwar gestern, aber was solls.

Wir bekommen eine Kurzführung und das obligatorische Foto vor den Fahnen der 28 Mitgliedsstaaten wird gemacht.im-saal eu-saal vor-fahnen

Den Rest des Tages geht es am Kanal entlang. Ruhig und idyllisch, aber immer geradeaus. Etwas zermürbend für die Läufer, das Gefühl, nicht voran zu kommen macht sich breit.canal-marne weg-vom-kanal am-kanalschleuseDafür ist der heutige Rastplatz für die Mittagspause besonders schön.idylle

41. Etappe Lahr – Straßburg

Montag 8. September.

Immer noch Sommer! Das hebt die Laune. Die SchülerInnen des Rhein-Maas Gymnasiums Lia, Jenny, Nick, Robin, Jassin und Alex sind gut drauf und unermüdlich laufbereit.

morgens unterwegs fackelgruppe-pauseAuch R(du)olf ist wieder da! Er hatte sich ja die Viel-Länder-Etappe ausgesucht: Kroatien, Slowenien, Italien, Österreich. Jetzt hängte er noch einen Tag Deutschland – Frankreich dran, weil’s so schön war mit flame for peace zu laufen 🙂

laeufer-mit-rolf laeufer-mit-rolf2Es ist nicht immer so einfach, einen geeigneten Ort für die Mittagspause zu finden. Der heutige sieht idyllisch aus, aber es ist saulaut, LKWs donnern an der nahegelegenen Straße vorbei.mittagspauseIn Kehl machen wir Zwischenstopp. Kehl hat neben seinem Oberbürgermeister drei ehrenamtliche Bürgermeister. Einer davon empfängt uns vor dem Rathaus.

ehrenamt-burgermeistrmgfjrmgs-klatschen kreis-rmgAnschließend geht es über die Passerell des Deux Rives, eine Fußgänger und Radfahrerbrück, die Kehl mit Straßburg, Frankreich mit Deutschland verbindet. Sie wurde als Symbol des zusammenwachsenden Europas gebaut, war das Herzstück der grenzüberschreitenden Landesgartenschau von 2004. passerelleJeden ersten Mittwoch im Monat laden die elsässischen und badischen Mitglieder der Initiative Garten // Jardin zu Nachmittagskaffee und -kuchen ein und tauschen sich zu grenzüberschreitenden Themen aus. Heute ist Montag, kein Kuchentreff – also organisieren wir unseren eigenen 🙂

paceflaggekuchen-heinz kuchen kuchensahnermg-allepeterhdie-bartelskreis-passerelleVon hier aus geht es mit Gastläufern und begleitet von Polizisten auf Fahrrädern auf den letzten Abschnitt der Strecke – zum Rathaus in Straßburgradpolizeivo-hihalbkreis-mit-hund hund